BACKBONE #012 – Daten, Produktion & Innovation – Wie EBK und Leitart den Mittelstand digitalisieren
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Wir hatten ja jetzt gerade einen wunderbaren Einblick in den Produktionsbetrieb der EBK. Wir haben gesehen, wie die Leitartlösungen hier vor Ort angewendet werden und haben ganz viele spannende Einblicke bekommen. Was wir noch nicht gemacht haben, ist mal zu verstehen, wer sind denn überhaupt die beiden Herren, die uns heute da durchgeführt haben und in welchem Kontext bewegen wir uns überhaupt mit der EBK.
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Von daher würde ich jetzt gerne einfach mal in den Austausch gehen mit Sebastian Grüber von der EBK und mit Sebastian Nedtke von der Leitart, dass man doch ein bisschen besser versteht, worum es hier eigentlich geht. Und da das Ganze aus der EBK heraus entstanden ist, würde ich mal mit Sebastian Grüber anfangen, einfach mal zu erzählen, wer bist du, welche Aufgaben hast du bei der EBK und welche Laufbahnen hast du hier bisher so durchlebt? Genau, Sebastian Grüber. Ich bin das zweite Mal bei der EBK tatsächlich.
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Ich habe 2015 das erste Mal die EBK kennengelernt, als Werkstudent damals noch, für den Herrn Heidrich und den Herrn Lehmann zusammen. Ich habe dort auch meine Matcharbeit geschrieben. Vorhin hatten wir das Thema kurz Know-how.
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Wie kriegen wir das gespeichert? Und da war die Idee, YouTube-Videos in der Industrie einfach zu produzieren und so digitale Arbeitsanweisungen herzustellen. Also wirklich ein Video-Format herzustellen, um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen genau zu zeigen, wie er oder sie das Produkt herstellen können. Das war das Thema der Matcharbeit und das durfte ich dann nochmal ein wenig weiterführen, aber die Technik war zu dem Zeitpunkt noch nicht so weit, wie sie heutzutage ist.
(1:51 - 2:23)
Das hat aber anscheinend ganz gut funktioniert und da hat man mich gefragt, ob ich nicht den Bereich Einkauf, Produktionsplanung und Logistik übernehmen möchte. Da habe ich dann natürlich hineingedackt und habe dann diesen Bereich sukzessiv übernommen, bis hin, dass ich mit einem anderen Kollegen aus der Geschäftsleitung dann den operativen Bereich verantwortet habe. Und in meinem letzten Jahr, bevor ich nochmal etwas anderes angucken wollte, dann den Standort Mariendorf geleitet habe.
(2:23 - 2:50)
In der Zeit war ich auch mit Sebastian zusammen für die ERP-Migration verantwortlich. Das heißt, wir sind einmal komplett in unser Unternehmen gegangen und haben unser ERP-System, was dann zu dem Zeitpunkt zwölf Jahre alt war, migriert. Eigentlich migrieren ist zu wenig gesagt, eigentlich war es eine Neueinführung, um auch, ich hatte es vorhin kurz erwähnt, wirklich die Anforderungen, die vom Kunden kommen, dann auch wieder gerecht werden zu können.
(2:51 - 3:20)
Dann habe ich drei Zwischenstationen gehabt zwischen der EBK und bin seit letztem Jahr wieder zurück und habe das Thema Vertrieb und wieder internes Projektmanagement, Projektleitung inne, um halt das Thema Digitalisierung auch für uns intern wieder mehr zu forcieren. Vielen Dank für diesen ersten Eindruck. Nun gerne auch von Seiten der Leitart ein bisschen über dich und deine Aufgaben.
(3:21 - 3:47)
Also ich sitze gar nicht, weder ich noch Sebastian sitzen eigentlich für eine der Unternehmen hier, weil ich glaube, wir laufen gerade so ein bisschen von heute in wo kommen wir eigentlich her, weil ich habe auch bei der EBK angefangen. Also die EBK war auch für mich als Werkstudent der Startpunkt während des Studiums. Wirtschaftsingenieurwesen ist so wie bei Sebastian und bei vielen anderen tatsächlich hier am Standort, irgendwie der Studienschwerpunkt.
(3:47 - 4:18)
Wo landest du nicht so selten, wenn du Wirtschaftsingenieur bist? Du hast davon nicht so richtig eine Ahnung, aber kannst überall so ein bisschen mitsprechen. Dann ist Controlling gar nicht so eine schlechte Idee, weil du an so einer Schnittstelle sitzt, in den meisten Mittelständlerunternehmen jedenfalls ist das so, zwischen System und Prozessen. Du bist dann häufig derjenige, der in dem System weiß, wo steckt die Information, meistens sogar ein bisschen Datenbank-Know-how mitbringst und du verstehst Produktionsprozesse.
(4:18 - 4:36)
Und damit bist du schon in der Regel ganz weit vorn bei einem Mittelständler. Damals als ich dazugekommen bin, Finanzkrise war gerade so überstanden, einmal ordentlich durchgeschüttelt und wir haben eine ganz interessante Lehre aus der Finanzkrise ziehen dürfen bzw. haben eine Lektion gekriegt.
(4:36 - 4:59)
Wir sind gut durch die Finanzkrise gekommen und wären fast am Ende der Finanzkrise, als sie sich aufgelöst hat, in eine Zahlungsunfähigkeit bzw. in einen Liquiditätsengpass gerutscht. Was ist passiert? Wir haben uns über die Finanzkrise in eine Situation reingearbeitet, wo wir mit deutlich weniger Kundenbestellungen, deutlich weniger Kundenvolumen uns halbwegs stabilisiert hatten.
(5:00 - 5:05)
Kurzarbeit usw. Also ihr kennt das ganze Gerödel. Und plötzlich zogen die Kundenaufträge wieder an.
(5:06 - 5:19)
So, was macht ein ordentlicher Einkauf? Der guckt sich an, oh, da kommen wieder ordentlich Kundenaufträge. Wir müssen jetzt erstmal ordentlich Material bestellen. Und dann haben wir innerhalb weniger Wochen, haben wir so viel Material bestellt, dass der geschröpfte Kontostand das überhaupt nicht mehr hergegeben hat.
(5:19 - 5:38)
Und bevor wir produzieren und dann die Rechnung an den Endkunden legen und wieder Mittel zufließen, da ist eine Zeit zu überbrücken. Unser ganzes Controlling war dem nicht gewappnet. Und Gott sei Dank, man konnte zur Bank gehen, mit Aufträgen fällt es auch leichter, einen Kredit zu bekommen, einen Überbrückungskredit als ohne.
(5:39 - 5:50)
Aber das haben wir uns geschworen, das passiert uns nicht nochmal. Also wir müssen, was das ganze Thema angeht, besser werden. Und das war jetzt mal, kurz auch nicht mehr, aber so ungefähr zusammengefasst, mein Auftrag.
(5:50 - 6:11)
Sebastian, kannst du dich neben ERP und Excel mal darum kümmern, dass wir in so eine Situation nicht nochmal reinrutschen? Und so habe ich mich mit BI, also Business Intelligence, wer es noch nicht gehört hat, beschäftigt. Und bin eigentlich durch jede Abteilung und jeden Prozess des Unternehmens dann irgendwie datenseitig und auch live. Das ist das Coole an einem Mittelstand.
(6:11 - 6:36)
Du kannst halt einfach mal in die Nachbarabteilung spazieren. Und irgendwann, die Bildschirme hingen etc., hat man uns dann als Automobilzulieferer, hast du einen regen Kundenlieferantenverkehr, hat man uns gefragt, was macht ihr denn da? Das sieht ja total spannend aus. Oder Lieferanten, die mit uns in einem Lieferantengespräch, was plötzlich datengestützt abgelaufen ist, saßen dann und sagten, ihr wisst ja mehr über uns als wir selber.
(6:36 - 6:50)
Also die ganzen Performance-Informationen, die sind uns ja gar nicht bewusst selber über uns, dass wir hier bei dem Artikel irgendwie in der Woche ein Problem hatten usw. Und dann haben die uns gefragt, wo man das kaufen kann. Da haben wir gesagt, nirgends, das haben wir selber gemacht.
(6:51 - 7:03)
Und da ist die Idee geboren, dass wir eventuell was haben, was andere interessant finden. Und dann haben wir die ersten, ich traue mich das gar nicht zu sagen, aber Beratungsprojekte. Ich wollte nie Beratung machen, ich wollte nie Vertrieb machen.
(7:04 - 7:21)
Heute mache ich Beratung und Vertrieb. Darf es aber, oder durfte lernen, wenn man das selber gestalten kann, dass es ein großes Geschenk ist. Und ich weiß noch wie heute, dass das erste Mal, als ich eine Rechnung geschrieben habe, mit einem 1.000 Euro Tagessatz, ich dachte, das bezahlt der nie.
(7:22 - 7:42)
Der steigt mir aufs Dach, der ruft an und sagt, was spinnst du, du kannst doch nicht 1.000 Euro auf die Rechnung schreiben. Aber wir haben dann gelernt, Systemhäuser z.B., wir haben in Hochzeiten 300.000 Euro in einem Jahr ans Systemhaus überwiesen. Für ein System, was sich eigentlich nicht groß verändert hat in dem Jahr.
(7:43 - 8:05)
Aber es sind sehr, sehr viele Customizing-Themen bei uns verbaut gewesen, muss man sagen. Weil wir mit Sebastian zusammen das ganze ERP-System auch letztendlich einmal zurückgebaut haben und massiv zum Standard wieder zurückgeführt haben. Und über diese Jahre ist dann quasi die Leitart sozusagen mein zweites und mittlerweile auch Hauptbetätigungsfeld geworden.
(8:06 - 8:22)
Wobei wir zusammen, würde ich sagen, immer noch in der ganzen Gruppe alles verantworten, was hier irgendwie mit Daten zu tun hat. Also ERP-System, BI-System, auch strategische Ausrichtung. Beispielsweise, was wollen wir an Softwareprodukten in Zukunft einführen.
(8:22 - 8:35)
Office 365 war eine relativ schnelle Entscheidung auch während Corona. Wir hatten schon vor Corona angefangen, aber wir haben dann während Corona sofort umgestellt. Alle Mitarbeiter Office 365, Teams etc., also ohne Diskussion.
(8:35 - 9:01)
Und das sind Themen, die wir bis heute in der Gruppe besprechen und entscheiden. Deswegen finde ich, ist es gar nicht fair zu sagen, du sitzt hier heute für die EBK oder ich sitze hier heute für die Leitart. Das war schwer zu trennen.
Bei euch habe ich auch schon gemerkt. Ich schreibe dem einen E-Mail, denke, das ist sein Zuständigkeitsbereich, kriege immer von euch beiden eine Antwort. Am besten sieht man diesen Namen direkt als den Beweis, wie stark ihr interagiert.
(9:01 - 9:12)
Und ja, das kann ich tatsächlich bestätigen, auch in der Praxis und in der Kommunikation. Jetzt hast du schon super viel erzählt, die Hälfte meiner Frage vorweggenommen. Aber ich habe noch mehr zu erzählen.
(9:12 - 9:21)
Ja, das dachte ich mir. Ich wollte nur kurz die Gegenperspektive hören, sozusagen aus dem Produktionsalltag. Du hast ja jetzt stark beschrieben, wie die Situation sich entwickelt hat.
(9:21 - 9:41)
Was hat das mit der Produktion gemacht? Wie habt ihr das produktionsseitig erlebt? Ja, genau, ich hatte es ja unten auch schon mal angedeutet. Also wir haben es geschafft, ich bin zur EBK gekommen, da haben wir ungefähr 11 Millionen Euro Umsatz gemacht mit vier Einkäufern. Wir haben vorhin gesehen, wir haben sechs Einkäufer, machen aber knapp 28 Millionen Euro Umsatz.
(9:42 - 10:20)
Und das Besondere ist, wir haben nicht nur Einkäufer, der übergibt es dann an den Produktionsplaner, der gibt es dann an die Feinplanung weiter, sondern das macht eine Person. Also Personalunion ist für mehrere Produkte verantwortlich. Und in meiner Funktion als, ja, wir nennen es Warenwirtschaft an der Stelle, als Warenwirtschaftsleiter und mit den Erfahrungen, die ich dann auch bei der Leitung machen konnte, konnte ich natürlich genau meinen Schmerz mit dem zu Sebastian gehen und sagen, hey, lass uns doch mal da Lösungen entwickeln.
(10:21 - 10:40)
Und wie ich vorhin gesagt habe, ich brauchte bloß eine Tür weiter gehen. Also wir sind da im ständigen Austausch, jetzt sogar auch mit den Erfahrungen heraus und den guten Kontakten auch weiterhin. Also die kommen halt zu mir beziehungsweise zu uns und sagen, hey, wir haben da und da ein Problem.
(10:40 - 11:06)
Selbst heute noch. Wir haben letztes Mal ein Tool veröffentlicht, wo wir es den Mitarbeitern ermöglichen, den Prozess so weit zu beschleunigen, wo sie vorher den ganzen Tag da gesessen haben, um diese Auftragsinformationen einzuholen oder zu updaten, haben wir es geschafft, diesen Prozess auf 20 Minuten runter zu reduzieren. Und ich hatte es vorhin ganz kurz gesagt, das geht aber nur mit Kommunikation.
(11:06 - 11:24)
Du musst halt miteinander reden. Und das haben wir in der ganzen Zeit, führen wir das, würde ich fast sagen, sehr exzessiv aus, um uns immer wieder abzugleichen. Ihr geht sehr gut mit den neuen Entwicklungen, mit den eigenen Entwicklungen um.
(11:24 - 11:43)
Die gucke ich mir an und überlege dann gleich, okay, wie können wir die hier in der Produktion mit einbringen, wie können wir uns da verbessern? Weil du heute ja die Überschrift Kooperation hast. Also ich glaube, das war so ein Aha-Moment für uns. Als ich hier angefangen habe, mich um das Thema zu kümmern, habe ich das drei Jahre ungefähr intern gemacht.
(11:43 - 12:02)
Da gab es dann schon die ersten Gespräche mit Kunden, Lieferanten, weil die das ganz interessant fanden. Da war uns noch nicht klar, zu welchem Austausch das führen wird. Was mir allerdings nach drei Jahren schon klar war, nach drei Jahren intensiver Arbeit in so einer Spezialrichtung, hast du irgendwann das Gefühl, dass deine Innovationskurve abflacht.
(12:03 - 12:14)
Also du brätst im eigenen Saft. Und das erste Mal, als ich vom Kundenprojekt zurückgekommen bin, habe ich gedacht, das gibt es doch gar nicht. Der hat mir Fragen gestellt.
(12:14 - 12:43)
Da konntest du zu 80 Prozent dem toll weiterhelfen, aber der hatte selber auch Themen irgendwie schon für sich geistig durchdrungen, wo du gedacht hast, warum ist da bei uns noch keiner drauf gekommen? Das war ein echter Aha-Effekt, dass wir dann dachten, das ist ja cool. Die bezahlen uns dafür, dass wir Innovationen zu ihnen bringen, aber wir nehmen auch immer einen ganzen Rucksack voll Impulse wieder mit zurück. Das ist bis heute so geblieben, dass wir letzte Woche hier unsere Innovationstage veranstaltet haben.
(12:43 - 12:52)
Wir haben gedacht, wir machen hier so ein nettes Netzwerktreffen mit 20, 30 Teilnehmern. Plötzlich hatten wir hier 100 Teilnehmer quer über dem Globus. Wir haben Gastbeiträge aus Amerika gehabt.
(12:52 - 13:04)
Wir haben einen Gastbeitrag aus Schweden gehabt. Das ist ziemlich irre. Ich glaube, da sind wir auch relativ kompromisslos oder gnadenlos in der Transparenz.
(13:04 - 13:19)
Auch unsere Kunden tragen dieses Motto, dass sie auch immer gern bereit sind, alles, was wir bei ihnen entwickeln, auch zeigen zu dürfen. Das macht unheimlich Spaß. Wir lernen so viel voneinander.
(13:19 - 13:30)
Das ist sehr, sehr schön, das erleben zu dürfen. Du hast ja auch familiärbedingt ein bisschen Jobwechsel gehabt. Ich finde das total schön, ab und zu mal bei anderen zu Gast sein zu dürfen.
(13:31 - 13:41)
Dann bin ich mal für ein paar Wochen, teilweise für ein paar Monate. Ich habe auch Kunden, die betreue ich schon zehn Jahre. Aber regelmäßig woanders mal arbeiten, mitarbeiten zu dürfen, ist ein Riesengeschenk.
(13:42 - 13:58)
Ja, es unterstreicht absolut den Austausch, den wir vorhin auch schon hatten. Der zwischenmenschliche Austausch ist einfach richtig. Durch den Perspektivwechsel, die Menschen und ihre Situation zu verstehen, ihre Herausforderungen und wirklich individuell darauf einzugehen, das macht am Ende den Unterschied.
(13:58 - 14:22)
Was mich noch interessieren würde, es war jetzt ein sehr großer, langer Weg, den ihr da beschritten habt. Was war so das erste konkrete Tool, wo ihr das erste Mal mit auf die Kollegen zugegangen seid und ihnen gezeigt habt, hey, ich habe da was Neues, das kann euch Zeit sparen, das kann euch einen besseren Überblick verschaffen. Was war so das allererste, was so im Unternehmen wirklich sichtbar wurde? Lebt bis heute das Tool.
(14:23 - 14:32)
Wenn ihr Interesse habt, wir können auch gerne irgendwo mal reinschauen. Das ist eine Lieferantenbewertung. Das ist heute mitnichten noch eine Lieferantenbewertung, sondern da ist viel, viel mehr dazugekommen.
(14:34 - 14:55)
Aber wir sind halt sehr pragmatisch gestrickt und dann haben wir überlegt, wo können wir anfangen. Und du fängst in der Regel mit einer neuen Technologie nicht bei businesskritischen Sachen an. Aber im Idealfall erzeugst du im Erfolgsfall so einen Impact, dass die Leute sagen, ah, alles klar, das ist ein Aha-Effekt, davon müssen wir mehr machen.
(14:56 - 15:15)
Und die Lieferantenbewertung in einem Automobilzulieferer ist in der Regel immer so eine Scheißaufgabe. Also für irgendwen ist das Strafarbeit. Entweder findest du ein paar Werkstudenten, die du foltern kannst, oder ein paar Mitarbeiter, die dann sagen, jetzt ist kurz vor Weihnachten, jetzt müssen wir uns doch mal hinsetzen und irgendwie die Scheiß-Lieferantenbewertung machen.
(15:15 - 15:26)
Bei uns war das genau so ein Prozess. Eine Woche lang, zwei Kollegen mit Excel und so. Die Norm sagt nämlich, du musst nur einmal im Jahr dem Lieferanten eine Lieferantenbewertung zustellen.
(15:26 - 15:34)
Vor der Zertifizierung. So, genau, am besten noch drei Tage vor der Zertifizierung. Hat das irgendeinen Impact gehabt? Nein.
(15:35 - 15:50)
Man hat es gemacht, um den Audi-Check zu kriegen. Aber das ist ja Motivation genug, den Kollegen quasi in einem ersten Schritt erstmal diese nervige Aufgabe einfach abzunehmen. Und zu sagen, weißt du was, das ist eigentlich zu 100% Daten basiert, das automatisieren wir dir jetzt weg.
(15:51 - 16:08)
Wegautomatisiert, Kollegen happy. Dann läuft das eine ganze Weile und dann stellst du fest, dass du gut daran getan hast, dich vorzubereiten in dem Moment, wo nämlich zum Beispiel die Supply Chain in eine Krise rutscht. Und du plötzlich nicht mehr weißt, welcher Lieferant ist verlässlich, wie entwickeln sich Lieferzeiten und so weiter.
(16:09 - 16:32)
Waren wir total happy und die Kollegen total happy, dass eine digitale Lösung vorlag, wo man mal schnell mit ein paar Klicks rausfinden konnte, bei welchen Lieferanten, bei welchen Zulieferartikeln hakt es denn gerade. Und ich glaube, das ist ein Muster, was hier mittlerweile einfach in die DNA übergegangen ist. Dass wir auch teilweise Dinge tun, wo wir heute noch gar nicht so richtig wissen, wofür ist das morgen gut.
(16:32 - 16:56)
Ich kann euch auch echt ein paar Live-Beispiele zeigen, wo wir gedacht haben, Ahrtal ist so ein Beispiel gewesen. Kommst du morgens ins Büro, alle sind ganz aufgeregt und denken, wir müssen unseren Lieferantenstamm über Postleit zahlen und sind wir dann betroffen und wie filtern wir das und so weiter. Ja, okay, geh in die Lieferantenbewertung, da ist eine Deutschlandkarte drin, machst du Google Maps auf, guckst, wo Ahrtal ist, ziehst einen Kreis rum, hast du da eine Telefonliste und kannst du da die zehn Lieferanten anrufen.
(16:57 - 17:16)
Waren es zehn? Können wir nachgucken. Ich meine, wart ihr wirklich betroffen? Ja, wir waren betroffen. Ich kann euch nicht mehr sagen, ob wir sozusagen Lieferausfall hatten, aber wir wussten zumindest, das sind Lieferanten, die sitzen in dieser Region und die haben wir angerufen und gefragt, ob bei ihnen alles okay ist oder ob sie quasi abgesoffen sind.
(17:17 - 17:44)
Einfach, um schon erstmal eine Aufklärung zu haben. Womit müssen wir rechnen? Wir konnten ja sogar einen Schritt weiter gehen, weil wir, das hat sich ja vorhin ganz kurz gezeigt, wir konnten ja nicht nur den Lieferanten identifizieren, wir konnten die Bestellung identifizieren und konnten Rückschlüsse auf das Produkt, was wir dann produzieren sollten, auch schließen. Also wir konnten halt einmal die komplette Supply Chain langgehen und das mit drei, vier Filtermöglichkeiten und das war es.
(17:44 - 17:57)
Und das war in einer halben Stunde erledigt. Mächtiges Tool mit extrem vielen Vorteilen. Ich glaube, das ist inzwischen allen klar geworden, sowohl jetzt hier in der Beschreibung als auch in der anschaulichen Demonstration.
(17:57 - 18:34)
Mich würde trotzdem interessieren, welche der vielen, vielen Funktionalitäten, die es inzwischen hat, war aus Produktionssicht sozusagen die, die den größten Impact hatte, die die meisten Quick Wins erzeugt hat, wo du von Anfang an gesagt hast, wow, den Mehrwert kann ich unmittelbar nutzen. Es gibt ja manchmal Sachen, die brauchen sehr, sehr lange, bis sie wirklich Erfolge zeitigen und es gibt manche Sachen, da sagt man schon nach zwei Wochen, wow, warum haben wir das jetzt? Also das war zum Beispiel unser Produktionscontrolling, ganz schnell. Wo ich ja vorhin gesagt hatte, der Produktionsmitarbeiter kann direkt nach dem Ereignis direkt zurücktragen, was ist denn passiert.
(18:34 - 18:49)
Er muss nicht irgendwie sich einen Notizzettel machen, den kramt er dann irgendwann wieder raus. Er kann halt direkt das Thema erfassen. Wir können das dann auch in den wöchentlichen Runden entsprechend nachhalten und können darauf Maßnahmen aufsetzen.
(18:49 - 19:22)
Also die den Kollegen dann auch zum Beispiel in der Instandhaltung für die Anlagen einfach sehr schnell weiterhilft und man nicht in Aktionismus verfällt, sondern wirklich gezielt sich das angucken kann, wie verhält sich die Anlage, wie verhält sich die Anlage über die Zeit, um dann darauf planbare Maßnahmen entsprechend abzuleiten. Um jetzt für die Produktion zu sprechen. Ich glaube, das größte Tool, das hatte ich gerade erwähnt, war wirklich die Bearbeitung der Kundenaufträge, dass wir es dann geschafft haben.
(19:23 - 19:51)
Wir hatten eine Kollegin oder eigentlich alle Kollegen und Kollegen in dem Bereich so zu entlasten, mit einem recht einfachen Tool von einem Dreivierteltag bis Tag Bearbeitungszeit auf 20 Minuten runter. Ich glaube, also mehr, fast effizienter kann man nicht werden, außer die 20 Minuten zu vollautomatisieren. Jetzt haben wir viel über Motivation, über Vergangenheit, über Entstehungsgeschichte gesprochen und wir haben vor allem eins dabei gelernt.
(19:51 - 20:41)
Das waren eigentlich immer genau die Situationen, in denen alle anderen geschrien haben, Krise und um Himmels Willen, die die EBK an ganz, ganz vielen Stellen immer wieder als Chance genutzt hat, sei es in Form von Fußballfeldern in der Halle oder sei es in Form von Softwarelösungen, die nicht nur für sie selbst interessant sind, sondern auch offensichtlich für viele, viele andere. Momentan ist wieder so eine Situation, wo alle sagen, Krise und die Welt geht unter und alles ist furchtbar schlimm. Wenn wir jetzt mal in die Zukunft schauen, was ist aus der Perspektive von euch beiden betrachtet so der nächste große Schritt? Was ist das, was uns in dieser Situation am meisten weiterhilft? Welche Funktionalitäten müssen jetzt noch hinzukommen, um mit den aktuellen Bedingungen noch besser umgehen zu können? Das ist ein bisschen wie die Frage nach dem Erfolg des Events heute.
(20:42 - 21:01)
Wenn du mich nach dem einen Tool fragst, würde ich sagen, kann ich dir gar nicht sagen. Also klar erinnere ich mich an irgendwie so ein paar ikonische Sachen. Na klar, wenn ich als Werkstudent die erste Applikation baue, wie die Lieferantenbewertung, die sehen wir auch gleich noch mal, die bleiben in Erinnerung, würde ich sie höher priorisieren oder als wichtiger einschätzen.
(21:01 - 21:21)
Als andere nein. Was ich glaube ich eher antworten würde, wäre das Thema Muster. Also wenn mich jemand jetzt schnell fragen würde, was ist das größte Learning? Ist es das Erkennen von Mustern und dann irgendwo am Ende des Tages auch Effizienzen.
(21:21 - 21:50)
Also um euch ein Beispiel zu geben, das Thema Datenanalyse ist ja etwas, du kannst dir eine Spezialsoftware kaufen und sagen, ich mache jetzt eine Finanzplanung oder ich kaufe mir eine Spezialsoftware zur Lieferantenbewertung, gibt es bestimmt da draußen. Oder du interessierst dich grundsätzlich für die Mechanik dahinter. Weil wenn du es ein bisschen abstrahierst, dann ist egal, ob du eine Finanzplanung machst oder ob du eine Lieferantenbewertung machst, am Ende des Tages ist das Arbeit mit Daten.
(21:51 - 22:20)
Und eine Finanzplanung genauso wie eine Lieferantenbewertung oder ein Produktionscontrolling analysiert am Ende des Tages Daten. Und den Umgang damit zu lernen und ein Interesse für die Mechanik dahinter zu haben, hat uns hier immer weitergebracht. Anstelle von einstufig zu sagen, wir lösen jetzt erstmal offensichtlich das Problem, aber auch nur das.
(22:20 - 22:54)
Sondern wir waren immer daran interessiert, die Zusammenhänge zu verstehen. Und wenn ich ein zweites Muster, was darauf aufbaut, teilen würde, dann ist das, versuche dich in eine Lage zu versetzen, in ein System zu versetzen, in dem du handlungsfähig bist, was aber Verknüpfungspotenziale bietet. Also versuche in eine Situation zu kommen, wo du heute irgendwas verbessern kannst, die Lieferantenbewertung bauen kannst, ein Produktionscontrolling bauen kannst, ein Vertriebscontrolling aufbauen kannst.
(22:54 - 23:14)
Kannst du alles zur gleichen Zeit machen. Musst aber nicht ein Monsterprojekt, was alles zusammenfasst, jetzt schon beackern. Aber das Coole ist, wenn es gebraucht wird, wenn plötzlich die Supply Chain in ihrem Zusammenhang, in ihrer Wirkungskette durchleuchtet werden soll, dann kannst du die drei Lösungen verknüpfen, weil du eine clevere Technologieentscheidung getroffen hast.
(23:15 - 23:34)
Und das begleitet uns bis heute. Also es ist egal, ob es Industrie 4.0 war. Also da habe ich angefangen.
Ich habe in Industrie 4.0 angefangen. Das ist ja heute fast im Quadrat so irre. Also selbst damals war es schon irre mit Industrie 4.0. Alle haben davon erzählt und du hast dich hier immer am Kopf gekratzt.
(23:35 - 23:49)
Verstehen die es nicht? Was machen die alle? Am Ende waren, also ich übertreibe ein bisschen, wir waren die Einzigen, die irgendwie ein bisschen was vorzeigen konnten. Die anderen haben immer nur drüber geredet. Und mit AI fühlt es sich ähnlich an.
(23:50 - 24:03)
Also jeder LinkedIn, wenn du auf LinkedIn unterwegs bist, du könntest ja durchdrehen. Und dann denke ich immer, ja, was da gezeigt wird, ist für so ein Zehnsekünder, ist das beeindruckend. Und für zu Hause mal den nächsten Urlaub recherchieren, ist das beeindruckend.
(24:03 - 24:19)
Bringt mich das da drüben einen Meter weiter? Nee, macht's nicht. Und das zu verstehen und aber auch durchdringen zu wollen, weil die Veränderung, die daraus erwächst, die wird schon krass werden. Also das kann man schon erahnen.
(24:20 - 24:37)
Also unser Leben da unten ändert sich gerade so schnell wie selten oder nie in den letzten 15 Jahren, die ich begleiten durfte zuvor. Macht uns das Angst? Nö. Weil ich bin fest der Überzeugung, wenn wir uns anpassen, wird es uns weiterhin brauchen.
(24:37 - 24:47)
Aber das, was wir tun, verändert sich massiv. Also ganz einfache Aufgaben sehen wir jetzt schon, fallen weg, nach und nach. Die verschwinden einfach.
(24:47 - 25:11)
Oder du kannst zugucken, wie die AI das für dich macht. Du bist viel schneller an einem Punkt, wo du vorher noch drei Stunden investiert hast, da bist du jetzt in fünf Minuten. Ist das aber perfekt und ist das sozusagen komplett gekoppelt mit der Unternehmensrealität? Also das vielleicht für alle, ihr sollt euch nicht zurücklehnen, aber so ein Sprachmodell ist mitnichten intelligent.
(25:11 - 25:26)
Ist einfach krass gut trainiert. Also alles, was supergeil dokumentiert ist, da ist das Ding krass trainiert. Also wenn ihr eine Webseite bauen wollt, dann ist da draußen in den GitHubs dieser Welt eine Milliarde Webseitenprojekte dokumentiert.
(25:27 - 25:45)
Das macht das Ding schneller als jeder Entwickler. Aber da drüben, also wir dokumentieren viel, aber da hat das Sprachmodell null Zugang. Also entweder kriegst du das Sprachmodell irgendwie befähigt, da zu Zugang zu kriegen, oder du musst eine clevere Schnittstelle bauen, wo der Mensch dann mitarbeiten kann.
(25:46 - 26:01)
Wo die Fähigkeiten, die er hat, die werden krass gehebelt werden. Das macht einen unheimlichen, also es gibt einen unheimlichen Drive und macht einen unheimlichen Spaß, plötzlich zu sehen, weil das Ding nimmt uns ja auch einen Haufen nervigen Scheiß ab. Da bin ich gar nicht traurig drum, wenn das wegfällt.
(26:02 - 26:14)
So, jetzt könnte ich noch eine Stunde weiterreden, aber ich will jetzt dein Interviewfahrt hier nicht komplett ... Du, das ist vollkommen in Ordnung. Du hast ja schon mehr Fragen beantwortet, als ich jemals stellen wollte. Insofern würde ich sagen, war das jetzt eigentlich ein super Plädoyer zum Schluss.
